ton : bildung

stimmläufe . sprache

Posted in sprach:bildung by paulplut on November 9, 2009

von feenstaub
(gestattet den text zu zerschstückeln / abzuschneiden / umzuändern)

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Stimmläufe

Sie haben einen Apparat an mein Bett gestellt, der es mir ermöglicht zu kommunizieren. Mich zu äußern. Aber ich kann nicht, ich kann nicht. Da sind diese Stimmen, unüberschaubare Stimmen, die mich nicht zu Wort kommen lassen.

Sie sagt, sie laufe an einem Zaun entlang, die Bretter seien pulsierende Schatten. Am Anfang habe sie Angst gehabt, dass sie eingesperrt worden sei, hinter Gitter geraten. Aber gleich darauf habe sie gewusst, dass das nicht stimme: der Zaun sei ja harmlos, habe sie bemerkt, bloß etwas über einen Meter hoch, überschaubar. Langsam beginne sie sich auszukennen hier, sie rieche jetzt den Frühling, frisch gemähtes Gras, Flieder. Sie sei schwerelos und die Welt und der Zaun fließen an ihr vorüber. Sie laufe ohne jemals müde zu werden. Wahrscheinlich träume sie.

Er sagt, er wolle Ruhe haben, ihm genügten die Fische, wenn sie anbissen, das sanfte Rauschen des Meeres als einziges Geräusch und eine Flasche Weißwein, abends, auf den noch warmen Steinen. Er habe nur ein Buch mitgenommen hierher und das lese er immer und immer wieder.

Sie sagt, sie laufe ohne müde zu werden, unermüdlich sei sie, unverwundbar sie sei, wenn sie die Betonstadt durcheile, sehe sie sich selbst als Boxer, einen Strand entlanglaufend, die Fäuste immer in Bewegung, immer nach vorne gerichtet. Sie laufe ohne müde zu werden, nichts könne ihr etwas anhaben, wenn es sein müsse, telefoniere sie auch zehn Stunden am Tag, sie trenne die wichtigen von den weniger wichtigen Terminen in ihrem Kalender mittels Leuchtmarker. Sie vergesse nichts. Jedem ihrer Verwandten, Bekannten und Angestellten schicke sie eine blumige Karte zum Geburtstag, den Text abgestimmt auf die jeweilige Person, soweit sie sie kenne, soviel Zeit nehme sie sich.

Sie sagt, sie laufe ohne jemals müde zu werden – wahrscheinlich träume sie – sie schwebe viel mehr als dass sie laufe. Der Zaun scheine unendlich, aber sie kümmere gar nicht, was außerhalb davon liege, der Flieder, der violette Duft blühe hier, alles was sie brauche, alles, was sie wolle, sei auf ihrer Seite des Zaunes. Ihre Schwester, einige Jahre älter als sie, rufe von der Terrasse her, ihr Vater trüge den Braten auf, Mutter Salate und Beilagen, Großmutter säße in einer Ecke und häkle, ihr Onkel decke den Tisch, was sie komisch finde, der Onkel komme ihr zu groß vor für Tischdecken. All das wisse sie vom Zaun aus, ohne es sehen zu müssen. Sie drehe um und laufe nun in jene Richtung, von der aus ihre Schwester gerufen habe, die Schwester sei inzwischen schon verschwunden. Sie stoße gegen die gläserne Balkontür als sie sie aufdrücken wolle, sie ließe sich nicht öffnen. Die Sonne spiegle, sie müsse ihr Gesicht nahe ans Glas drücken und mit den Händen an beiden Seiten das Licht abhalten, aber sie sehe trotzdem nicht, was sich dahinter abspiele. Sie klopfe nun, klopfe nochmals, nachdem ein wenig Zeit vergangen gewesen sei, rüttle an der Tür, vielleicht klemme die bloß, bloß nur nicht mit zuviel Gewalt, Glas breche so leicht, bloß nicht, dass was kaputt gehe und sie wieder Schuld sei. Nichts tue sich. Die Möglichkeit ums Haus herum zu gehen, zur Eingangstür, und es dort zu versuchen, existiere nicht, das Haus habe nur mehr eine Seite, das Haus sei nur mehr seine Hinterseite und die sei verschlossen. Sie höre nicht auf es zu versuchen. Die Welt verfinstere sich. Sie sei nun ziemlich sicher, dass sie träume.

Sie sagt, sie öffne ihre Augen erst jetzt, obwohl sie schon lange wach liege. Sie öffne ihre Augen und sehe immer die falschen Dinge. Heute seien es die Rosen, die er ihr aus Jux an jenem Tag, an dem sie es erfahren haben, geschenkt habe, aus Übermut über die Welt und darüber, was in ihr alles geschehen könne. Schon damals sei sie nicht besonders überzeugt davon gewesen, habe ihn aber fürs Erste gewähren lassen, sie habe sich nicht getraut dazwischenzugehen, zwischen ihn und die Welt. Wieso nur alles an ihn erinnere. Das müsse irgendwie an der Struktur des menschlichen Gehirns liegen, dass sich die Gedanken verhalten können wie Metallspäne und seltsame Muster formen, immer rund um irgendeinen Magneten herum, immer ausgerichtet auf diesen Magneten. Sie habe Rosen immer gern gemocht.

Sie sagt, sie laufe ohne müde zu werden, unermüdlich sei sie, unverwundbar sei sie, wenn sie die Stadt durcheile, sehe sie sich selbst als Boxer. Sie träume Tagträume von ihrer Katze – Bubble (manchmal müsse man auch Humor an den Tag legen) –, die in ihrer Zweitwohnung wahrscheinlich wieder mal auf die Ledercouch gemacht habe, aus Einsamkeit. Sie habe eine zweite Katze gehabt – Blopp –, eine Weggefährtin für Bubble – sie sei schließlich kein Unmensch – aber Blopp habe sich eines Tages, während sie im Büro gewesen sei, im gekippten Fenster verklemmt und sei daran gestorben. Katzen stürben an Dingen, die wir Menschen uns nicht einmal vorstellen können. Dafür stürben Menschen eben, wenn sie aus dem fünften Stock springen, was wiederum für Katzen undenkbar sei. Seit dem Tod des Gefährten mache Bubble in regelmäßigen Abständen auf die Ledercouch. Sie erwarte es mehr als dass sie davon träume, sie male sich die Zukunft aus, die nähere Zukunft, aber auch die fernere Zukunft. Niemals träume sie von der Vergangenheit, wenn sie träume, dann immer bloß von der Zukunft. Von der Vergangenheit zu träumen sei sinnlos, die Vergangenheit stehe fest, von der Vergangenheit zu träumen sei wie eine Beschwipstheit des kognitiven Systems, es sei mehr ein falsches Erinnern als ein Träumen, so wie sie es verstehe. Sie drehe nun den Schlüssel im Schloss und trete aus der Welt heraus. Nirgends könne sie so regenerieren wie in ihrer Zweitwohnung.

Sie sagt, sie komme nicht weg von ihrer Müdigkeit, sie schlafe tagelang ohne Besserung. Ihm wäre schlafen von jeher unheimlich gewesen, wegen der Nähe des Schlafes zum Tod. Er sei in die Küche gegangen oder ins Bad sobald er aufgewacht sei, weil er es nicht ertragen habe sie so daliegen zu sehen, scheinbar bewusstlos. Sie denke, das erkläre Vieles. Sie wäre gerne einmal neben ihm aufgewacht, aber er wäre da immer schon aufgestanden gewesen.

Als sie ihm von ihrem Entschluss erzählt habe, habe er sie bleich und aus großer Entfernung angesehen, ja, sie glaube, er habe Angst bekommen, Angst vor ihr. Es sei nicht wegen des Kindes gewesen, es hätte ja ein anderes, ein weiteres nachfolgen können, es sei wegen seiner Angst gewesen. Nachdem alles vorüber gewesen sei und ein wenig Zeit vergangen, hätten sie wieder begonnen zu lachen und über andere Dinge zu sprechen, aber es habe nicht geholfen, die Angst sei nicht mehr weggegangen. Das Kind sei weg gewesen und irgendwie sei ein Teil von ihm schon damals mitgegangen. Sie glaube, er habe ihr das nie verziehen.

Er sagt, er habe das alles satt, es sei eine einzige Farce, er könne von keinen Bäumen, Meer, Herzschmerzen und Blümeleien mehr lesen. Er bestreite nicht die Qualität der Texte, die könnten schon gut sein, dass könne schon sein, dass die gut seien, das sei kein Widerspruch, die könnten schon was können, die sowas schreiben, aber das sei nicht der Punkt. Der Punkt sei, die Texte von Bäumen, Meer, Herzschmerzen und Blümeleien pflasterten die Welt vollkommen zu und zwar gerade dann, wenn sie qualitativ durchaus akzeptabel seien. Die Welt sei aus Beton! Aber sie werde überklebt mit Büchern, wo Bäume, Blümeleien und Meer draußen drauf seien, auf dem Cover. Darunter wachse der Beton weiter, geschützt, mit einer hübschen Fassade versehen. In einer Welt aus Beton würde keiner mehr leben wollen, aber so wie’s jetzt sei, so mit vorgespiegelter Landschaft, da fühlten sich alle pudelwohl, abgesehen zwar vom Heuschnupfen, abgesehen von Herzrasen und Fettleibigkeit, abgesehen von der alljährlichen Winterdepression (oder kommen deine Depressionen im Frühling? im Sommer? im Herbst? fehlen dir die Vitamine? die Spurenelemente? die richtigen Hormone? fragt er), aber das seien ja bloß so Muttermale, so die kleinen Makel, im Großen und Ganzen, so eigentlich, sei das Leben schön, sagten sie alle. „Bloß, schaut euch mal um, ihr Idioten, Ihr seht die Landschaften, aber das sind doch bloß Beklebungen, die sind ja nur vorgespiegelt, virtuell quasi, drunter ist ja immer noch der Beton“ sagt er.

Sie sagt, sie knicke Fliederzweige und baue sie zu Sträußen. Sie wisse, irgendwann würde sie zu dem Haus müssen und es würde wieder versperrt sein, aber sie habe sich daran gewöhnt. Sie knicke Fliederzweige, sie laufe den Zaun entlang, den Brettern, die vorüberglitten, sie schwebe, sie rieche an Kräutern: Liebstöckl wachse in riesigen Buschen an manchen Ecken des Gartens, Salbei, sie rieche an den Fliederästen, die sie in ihrer Hand trage und sie halte ihr Gesicht in die Sonne. Und wenn es dann soweit sei, wisse sie, dass sie nur die Luft anhalten müsse, und darauf warten, dass sie aufwache.

Sie sagt: „So schwer mir das Aufwachen fiel, so schwer fiel mir das Einschlafen.“ Der erste Satz auf der ersten Seite. Martin Walser. Sie wisse nicht wie oft sie den Anfang ausprobiert habe ohne darüber hinaus zu kommen. Sie könne ihren Blick nicht festhalten, ihre Gedanken würden unaufhaltsam zu Metallspänen, sie halte es nicht länger aus im Bett und müsse also darauf hoffen, dass ein belangloser Film laufe, auf wenigstens einem der unzählbaren Kanäle. Nach zwanzig bis dreißig Knipsern durchs Programm-Nebeneinander schalte sie aus. Nun seien nur mehr die Lampe über der Abwasch und das kleine, rote Standby-Licht an.

Es gebe nichts mehr zu erzählen. Ihre Tage seien nicht mehr vorhanden. Der Geruch sei anders geworden und das Licht ein wenig greller, die Menschen wirkten blass, alles schiene ein wenig verrückt zu vorher, ein wenig am falschen Platz. Aber das sei ihr erst später aufgefallen, zuerst sei alles einfach nur taub gewesen. Es gäbe nichts mehr zu erzählen. Nichts mehr auszulassen. Immer wenn sie ihm erzählt habe, habe sie viel zu viel ausgelassen, sie habe nur oberflächlich erzählt, so als hätte er ohnehin schon alles gewusst und sie hätte ihn nur mehr daran zu erinnern brauchen. In ihrem Erzählen sei sie wie ein Kind gewesen. Sie habe den Abstand zwischen ihnen vergessen.

Sie sagt, manchmal, wenn der Wind stark sei, werde der Garten zu einer Schneekugel, in der es Flieder schneie. Manchmal sei die Rasenfläche durchzogen von Rinnsalen aus Fliederblüten, wie die Adern im Marmor. Und wenn die Welt dann schwarz werde, müsse sie nur die Luft anhalten und darauf warten, dass sie aufwache.

Sie sagt, sie liebe den Geruch des Feuers. Nirgends könne sie so regenerieren wie in ihrer Zweitwohnung. Einen offenen Kamin in eine Wohnung einzubauen sei teuer, aber das sei es ihr wert, Geld sei nicht alles, man müsse auch seine Persönlichkeit entwickeln, man müsse weitergehen, wachsen, auch die Persönlichkeit sei ein Kapital, überhaupt die allermeisten Dinge seien ein Kapital, nicht nur bloß das Geld: Freundschaften, Ruhe, eine Wohnung, in der man sich verkriechen könne. Sie habe es bei Goethe gelesen. In einer Biographie: Dass er immer wieder seine Texte verbrannt habe, wenn er unzufrieden damit gewesen sei, wenn er habe neu anfangen wollen. Sie werfe ihre Konstruktionspläne ins Feuer, abgeschlossene Projekte werfe sie ins Feuer, so beginne sie stets alles immer wieder von vorne. Freilich blieben die Unterlagen gespeichert, irgendwo, in den digitalen Archiven, in einer der virtuellen Lagerhallen aufbewahrt für Steuerprüfer und jene Unternehmensoptimierer, die sie alle paar Monate an sich heranließ. Aber für sie seien sie verbrannt, die Papiere. Sie fange immer wieder von vorne an, sie bewege sich weiter, sie bewege sich fort, das sei das wichtigste. „Wer daliegt, stirbt, legen Sie sich hin, ein paar Tage lang, Sie werden sich nicht gut fühlen, Ihnen geht die Bewegung verloren und Sie gehen ein!“ sagt sie. Wir seien nicht geboren um in der Höhle zu gammeln und uns vom Pizzaservice schon erlegte Beute heranliefern zu lassen, wir müssten laufen und Speere bauen und solange üben zu treffen, bis wir träfen ohne schon vorher niedergetrampelt worden zu sein.

Er sagt, es gäbe ja keine Bäume mehr, ja kein Meer mehr, die Blümeleien wüchsen in keiner Erde mehr, sondern in Straußform hinter Glas und wenn man von Herzschmerz schreibe, solle man gefälligst zuerst einmal darauf hinweisen, dass die Liebe neuerdings im Käfig gehalten werde, seit den gelobten Anfängen des gelobten Bürgertums. Er krieche durch Schlamm und es wäre sinnlos sich vorzumachen, dass da nicht auch Scheiße dabei wäre, immerhin: Wenn schon Kleinvieh Mist mache, was dann erst diese Unzählbarkeit an Menschen, die vorihmnebenihmhinterihmmitihm durch den Schlamm pflügten. Aber wenn er dann so in die Gesichter rund um sich schaue, höre er fast schon wieder auf an die Scheiße zu glauben, weil interessanterweise interessierten sich hier alle bloß dafür, wer am schnellsten vorankäme, wer von allen am allerschnellsten kriechen könne und nicht im Geringsten dafür, worin sie kröchen, worin sie da kröchen, das sei egal, das sei ja das bloße – zwar notwendige, aber gleichsam als Substanz vernachlässigbare – Medium des Kriechens. Er bestreite freilich nicht, dass auch er mitkrieche, er wüsste nichts Anderes zu tun, würde er aufhören zu kriechen, würde er überkrochen, würde er Schlamm und Scheiße schlucken müssen (mehr als es sich ohnehin nicht vermeiden ließe), aber müsse er deshalb schon gerne kriechen? Seine Texte hätten wechselnde Kulissen: manchmal Beton, manchmal Dreck, manchmal Scheiße, manchmal Blut, manchmal Gefängnis, manchmal Schule, manchmal Börse oder Ministerkanzlei oder Universität oder SPAR-Supermarkt oder Kino oder so was ähnliches.

Und zu allem Überdruss ertappe er sich dabei, dass er ständig, während seines Kriechens, in seinem Kopf sein Kriechen mitkommentiere. Alles, was er tue, kommentiere er unablässig in seinem Kopf mit und wenn er gerade wiedermal einen besonders großen Brocken Scheiße zum Schlucken gekriegt habe, zitiere er Adorno. Wie gesagt, freilich wolle er nicht leugnen, dass auch er mitkrieche, er wisse nichts Anderes zu tun in der Welt. Aber niemals werde er sich damit abfinden. Er sagt: „Man müsste zu einer Handlung finden, zu einer Bewegung, die dann etwas Anderes sein würde als immer nur durch die Scheiße zu kriechen und zu kommentieren!“

Er sagt, er wolle Ruhe haben, ihm genügten die Fische, wenn sie anbissen, das sanfte Rauschen des Meeres als einziges Geräusch und eine Flasche Weißwein, abends auf den noch warmen Steinen. Er sei schon viel zu viel gelaufen, davon, hinterher, im Kreis am Ende. Er müsse nichts mehr sagen. Sich zu rechtfertigen sei auch bloß eine Form des Laufens.

Ich höre diese Stimmen in meinem Kopf pausenlos. Es wäre mir leichter, wenn ich mich wälzen könnte, herumwälzen könnte in meinem Bett, ein wenig nur die Stellung meines Körpers verändern, die Lage meines Beines, die Stellung meiner Hand. Es würde nichts ausmachen, dass die Bewegung mich wieder aus meinem Dösen hervorholen würde und dass ich deshalb noch etwas später erst würde einschlafen können. Der morgige Tag bringt nichts. Ich habe keine Arbeit, ich studiere nicht. Ich kann morgen genauso schlafen, wie ich heute schlafen kann, wenn ich könnte. Ich wünschte ich könnte mich bewegen. Aus eigener Kraft. Aber ich bin darauf angewiesen, dass später eine der Schwestern vorbeikommt. Nichts könnte weiter entfernt sein von einem unruhigen beruhigenden Sich-Wälzen als das sorgsame Hantieren einer Krankenschwester.

Irgendwann habe ich begonnen, den Stimmen Personen zuzuordnen. Ich habe nachgezählt und bin auf eine Anzahl von fünf Personen gekommen, fünf voneinander abtrennbare Personen, die regelmäßig wiederkehren. Auch im Schlaf sind die Stimmen da, aber im Schlaf tauchen sie verzerrt auf, in absurden Zusammenhängen, die, wenn ich wach bin, undenkbar scheinen. Der alte Mann springt vom Zehnmeterbrett ins Meer und schlägt sich seinen Kopf an einem Fisch. Die Businessfrau lutscht am Daumen und ärgert sich darüber, dass sie vergessen hat wie man Papierflieger baut. Manchmal kommt es vor, dass der regimekritische Linksintellektuelle das kleine Mädchen fickt, in meinen Träumen, aber das Mädchen ist da noch nicht geschlechtsreif, weshalb es niemals zu der Abtreibung kommen wird. Im Traum sind das kleine Mädchen und die traurige Erwachsene eine Person, aber in Wirklichkeit können sie das gar nicht sein. Manchmal verbrennt die Businessfrau Menschen in ihrem Ofen und glaubt am Fliedergeruch, der dabei entsteht, ersticken zu müssen. Manchmal träume ich davon, dass die fünf Stimmen mich hier besuchen kommen, sie wissen – dieser neue Apparat, der einen mittels Augenblinzeln synthetische Worte formen lässt – sie wissen, dass ich mich äußern könnte; aber ich bin kaum wach, ihren Besuch bekomme ich nur durch die Geräusche ihrer Schritte in meinem Krankenzimmer mit und durch Aussagen wie: Sie schläft. Nichts anderes tut sie. Sie rührt sich keinen Mucks. Sie drängen mich, mich zu äußern, mich zu bewegen, mich zu entscheiden, sie drängen mich, aber ich kann nicht. Ich kann nicht. Nur die Stimmen sprechen.

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